Chronik

Vor 30 Jahren fing es an

 

1974 wurde die öffentliche Hauptschule V Stadtmitte für Schülerinnen und Schüler katholischen Bekenntnisses in die Trägerschaft des Bistums Hildesheim überführt. Das Konkordat – ein Vertrag zwischen Kirche und Staat – machte diese Umwandlung einer öffentlichen Schule in eine Schule in freier Trägerschaft an mehreren Orten in unserer Diözese  möglich. Die Stadt Hildesheim hatte ihre Renataschule von der Treibestraße in einen Neubau im Ortsteil Ochtersum verlegt und das Gebäude gegenüber dem Bernwardkrankenhaus dem Bistum zur Verfügung gestellt. So zog unsere Schule vom Pfaffenstieg (dem Gebäude der jetzigen Grundschule) im Sommer 1974 um.

Augustinus wird der Namenspatron der Schule

Die Statusänderung der Schule machte auch ein neuer Name für die Hauptschule in kirchlicherTrägerschaft deutlich. Mit großer Mehrheit entschied sich das damalige Kollegium für den hl. Augustinus.

Augustinus, der 354 in Nordafrika geboren wurde, war ein bedeutender Kirchenlehrer, der mit seinen vielfältigen philosophischen und theologischen Schriften Weltruhm erreichte. Seinen Lebenswandel zum Christentum hatte er in besonderer Weise seiner Mutter Monika zu verdanken,  was sicherlich auch die erste Schulleiterin, Rektorin Monika Feise, in ihrem großen Engagement für die neue Angebotsschule in der großen Hildesheimer Schullandschaft beflügelte.

Eine Sorge, die sie jedoch zutiefst bewegte, war die Frage nach der Akzeptanz der Schule in der Elternschaft. Die Lehr- kräfte, die nach der Umwandlung an der Schule verbleiben wollten, mussten beim Staat einen Antrag stellen auf „Beurlaubung an eine Schule in freier Trägerschaft unter Fortzahlung der Bezüge“. Viele taten dies, einige wenige ließen sich an eine staatliche Schule versetzen.

Und die Anmeldezahlen für Schülerinnen und Schüler an der St.-Augustinus-Schule nahmen in erfreulichem Maße zu, sodass viele neue Lehrkräfte eingestellt werden mussten. Im Schuljahr 1975/76 waren es sogar zehn junge Lehrer und Lehrer, die ihren Dienst als Lehrer/in z.A. mit viel Schwung aufgenommen hatten und viele frische Ideen von der Hochschule mitbrachten.

Eine große Attraktivität für die Hauptschule: das 10. Schuljahr

Für die Schule, die zunächst aus den Jahrgängen 5 bis 9 bestand, beantragte bald die Schulleitung die  Einführung des 10. Schuljahres, wodurch das Erreichen des Sekundarabschlusses – Realschulabschluss – auch über die Schulform Haupt- schule möglich wurde (Ein ganz wichtiger Beitrag zur Durchlässigkeit in unserem niedersächsischen Schulsystem). Dass dieser Weg nicht nur in der Theorie besteht, beweisen heute die Hälfte aller Neuntklässlerinnen und Neuntklässler, die nach dem Besuch der freiwilligen 10. Klasse den gleichwertigen Realschulabschluss erreichen, einige sogar den er- weiterten Sekundarabschluss I, der zum Übergang in eine gymnasiale Oberstufe berechtigt.

Über einen längeren Zeitraum Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre stand das so genannte „Colloquium“, das ein Lehrer einer anderen Schule abnehmen musste, als Schlusspunkt am Ende der Klasse 10. Heute sind es Abschlussarbeiten in Mathematik und Englisch oder Deutsch sowie eine mündliche Prüfung beim Fachlehrer zu einem selbst gewählten Thema.

Hildesheim führt die Orientierungsstufe ein

Im August 1980 begann in Stadt und Landkreis Hildesheim die Arbeit in den neu eingerichteten Orientierungsstufen. Das Bistum ernannte Jens Hegemann (Don-Bosco-Schule) und Günter Burghardt (St.-Augustinus-Schule) zu den Planungs- beauftragten für diese neue Schulform und später zu den pädagogischen Leitern der beiden katholischen Orientierungs- stufen, die jeweils an die Hauptschulen angebunden waren.

Für die Planungsarbeit erwies sich der bestehende katholische Schulverbund Hildesheims mit den Grundschulen und weiterführenden Schulen als hervorragende Grundlage für die Beratungen mit Eltern und Lehrkräften: Schulbücher wurden ausgewählt und die Rahmenrichtlinien der Orientierungsstufe (OS) in schuleigene Stoffverteilungspläne für die einzelnen Fächer umgesetzt. In vielen Sitzungen und Planungsgesprächen entstand das besondere Differenzierungsmodell für die beiden Orientierungsstufen an der Don-Bosco- und St.-Augustinus-Schule. Vorgruppierte Klassen für Kinder mit Stärken im Lern- und Leistungsvermögen fanden eine große Akzeptanz in der Elternschaft, wobei in enger Kooperation mit dem Gymnasium Josephinum von 1980 bis 1990 in diesem Bereich auch Latein als erste Fremdsprache angeboten wurde. Aber auch die Fürsorge für Schülerinnen und Schüler mit großen Leistungsschwächen hatte zu einem besonderen Förderangebot geführt: die Kleinlerngruppe, in der in den beiden Jahren der Orientierungsstufenzeit die Mädchen und Jungen in einer zahlenmäßig kleinen Lerngruppe unter Vermittlung möglichst vieler Erfolgserlebnisse auf die 7. Klasse der Hauptschule vorbereitet wurden. Die übrigen Klassen im so genannten Differenzierungsbereich erfuhren nach einem halben bzw. nach einem Schuljahr eine Kurseinteilung in den Fächern Mathematik und Englisch.

Dieses Orientierungsstufenmodell fand so viel Zuspruch, dass man im August 1980 nicht wie geplant eine sechszügige OS eingerichtete, sondern acht Klassen mit insgesamt mehr als 240 Jungen und Mädchen am 28. August – dem Patronatsfest der St.-Augustinus-Schule – eingeschult wurden. Trotzdem mussten leider noch – wie auch in den Folgejahren – ca. 100 Kinder abgelehnt werden, was in den gemeinsamen Aufnahmekonferenzen mit dem Schulträger viele Sorgen bereitete.

1984 fand seitens der Bezirksregierung Hannover eine Bestandsaufnahme der Orientierungsstufe statt, und auch die     St.-Augustinus-Schule erlebte eine Woche lang den Besuch von Schulräten und Vertretern der Bezirksregierung. Der Abschlussbericht dieser Kommission bestätigte durch die ausgesprochene Anerkennung des Engagements der Lehrkräfte und die Hinwendung zum Kind durch das besondere Differenzierungsmodell die Arbeit des Kollegiums in der Aufbauphase dieser neuen Schulform.

Aurelius Augustinus begeistert als Musical

In die Zeit der Bestandsaufnahme fiel auch die Aufführung des Musicals „Aurelius Augustinus“ aus der Feder des Musiklehrers Fred Burghardt, das zum zehnjährigen Bestehen der Schule vor mehr als 2000 Zuschauern in der Sporthalle Schützenwiese aufgeführt wurde und viel Aufmerksamkeit in Presse, Rundfunk und Fernsehen erfuhr.

Das Zusammenwirken von über 100 Akteuren (Schüler- innen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer) unterstützte in besonderem Maße die Schaffung einer wahren Schulgemeinschaft.

Auch Erfolge im sportlichen Bereich bei den Bistumssportfesten oder das Erreichen des Endspiels der Niedersachsen- meisterschaft Fußball im Wettbewerb Jugend trainiert für Olympia sowie der Gewinn des Vorlesewettbewerbs auf Stadtebene durch Andrea Schenker aus der Klasse 6c im Jahr 1982 sind dafür weitere Beispiele.

Der Realschulzweig kommt dazu

Anfang der 80er Jahre erhielt die St.-Augustinus-Schule nicht nur die Orientierungsstufe als neue Schulform, sondern auch den Status einer Haupt und Realschule zuerkannt. Der bis dorthin am Gymnasium Josephinum geführte Realschul- zug wurde der St.-Augustinus-Schule angegliedert und erhielt den Namen Albertus Magnus sowie eine eigene Schul- leitung. Räumlich fand der Realschulzweig Albertus Magnus nach den Anfängen im Albertinum am Domhof bald ein eigenes Gebäude am Brühl.

Lehrkräfte aus allen Schulbereichen (Haupt- und Realschule sowie aus dem Gymnasium) unterrichteten gemeinsam in den OS-Klassen und berieten die Schülerinnen und Schülern mit ihren Eltern bei der Übergangsentscheidung nach Klasse 6. Ausführliche Gutachtenkonferenzen und Beratungsgespräche führten zu einer großen Übereinstimmung von gegebener Empfehlung und tatsächlicher Anmeldung durch die Eltern.

Gemeinsam mit Eltern und Schülern

Die Elternarbeit wurde vom Beginn der Schule 1974 bis heute von vielen engagierten Müttern und Vätern in den ge- wählten Gremien und darüber hinaus zum Wohle der Schülerinnen und Schüler geleistet. Und auch das Motto der ersten Schulleiterin Monika Feise „Ein Herz für Kinder“ – das gut sichtbar an der Rektorinnentür zu lesen war – macht deutlich, wer im Mittelpunkt des Schulalltags steht. Auch die Fortbildung der gewählten Schülervertreter und Schulsprecher war Monika Feise stets ein großes Anliegen. 1988 wurde sie in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, hält aber bis zum heutigen Tage einen guten Kontakt zu „ihrer“ St.-Augustinus-Schule.

Zuhause im Pavillon

Als neuer Schulleiter wirkte danach 12 Jahre lang Josef Schrader, in dessen Amtszeit auch der Neubau des Pavillon- traktes fiel, der vielen OS-Klassen mit dem eigenen Schulhof ein beliebtes „Zuhause“ gab.

Wegen der großen Klassenzahl in der Orientierungsstufe war viel Kreativität bei der Raumnutzung notwendig. So begannen 1980 zwei Klassen in der alten Domschule, in der schon Bischof Bernward vor 1000 Jahren sich einen Großteil seines Wissens angeeignet hatte. Zwei Unterrichtsräume wurden für mehrere Jahre im Joseph-Godehard-Haus gefunden, bis das Gymnasium Josephinum dankenswerterweise einen Flur mit vier Klassenräumen der OS St. Augustinus zur Verfügung stellte. In den letzten drei Jahren half auch die Albertus-Magnus-Schule mit Klassenräumen aus. Das be- deutete für viele Lehrkräfte – aber auch für die Schülerinnen und Schüler – längere Wege zu den Fachräumen und viel Disziplin „fernab“ vom Hauptgebäude der Schule. Dass sich jedoch alle unter „einem“ Dach geborgen fühlten, ließ das Logo der St.-Augustinus-Schule erkennen, das Claus König als Lehrer mit dem Hauptfach Kunst schuf. 1998 stellte er es der Schulgemeinschaft vor und Rektor Josef Schrader wies auf die drei Säulen – Eltern-, Schüler- und Lehrerschaft – hin, die nur gemeinsam die ganze Schule tragen können.

Schulleiterwechsel im Jahr 2000

Den Zusammenhalt von Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften fördert Josef Schrader auch in seinem Ruhestand weiter, da er den Vorsitz des Fördervereins der Schule seit seiner Pensionierung im Januar 2000 übernommen hat. Günter Burghardt – Orientierungsstufenleiter von 1980 bis 2000 – wurde Josef Schraders Nachfolger, Gabriele Herzberg leitet seit diesem Wechsel die Orientierungsstufe.

Das Land Niedersachen hat die Entscheidung getroffen, vom August 2004 an die Kinder aus den vierten  Klassen der Grundschulen wieder direkt in die drei weiterführenden Schulen (Haupt- und Realschule bzw. Gymnasium) aufzunehmen und die Orientierungsstufe mit diesem Schuljahr auslaufen zu lassen. Damit stehen die Schulleitung und das Lehrer- kollegium im Jubiläumsjahr der St.-Augustinus-Schule vor einer erneuten großen Herausforderung bei der Schulpro- grammentwicklung, um die 30-jährige Erfolgsgeschichte dieser Haupt- und Realschule in der Trägerschaft des Bistums Hildesheim fortzuschreiben.
 

(Günter Burghardt)